https://www.academia.edu/39970965/Vera_Marstaller_Stillstand_der_K%C3%B6rper_im_Krieg_Von_den_Pflichten_des_Heroischen_und_dem_Reiz_des_Alltags_in_der_illustrierten_Massenpresse_des_Nationalsozialismus_1939_1945_in_Visual_History_22_07_2019?nav_from=d900f76b-3776-4698-bf5a-b8d0835190a5
Es gibt keinen Krieg ohne Heldengeschichten. Gegenwärtige Forschungen zum NS-Heldenkult knüpfen an diesen Gedanken unmittelbar an, vertreten jedoch zwei sehr unterschiedliche Ansichten, ohne dass dies eine Forschungsdebatte ausgelöst hätte: Auf der einen Seite steht die Vermutung, erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, und somit nachdem der soldatische Heldenkult mit den Verbrechen der Nazis in Verbindung gebracht werden konnte, sei Abstand genommen worden von heroisierenden Kriegserzählungen. Auf der anderen Seite steht der Befund, schon während des Zweiten Weltkriegs und vor allem mit der Niederlage der 6. Armee in Stalingrad 1943 sei die Heroisierung der Wehrmacht unglaubhaft geworden. Mein Dissertationsprojekt überprüft diese These in Bezug auf die Wehrmachtssoldaten durch die Analyse der in illustrierten Zeitschriften veröffentlichten Bilder, die von Fotografen der NS-Propagandakompanien aufgenommen wurden und damit der Zensur des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda und des Oberkommandos der Wehrmacht unterstanden. Dabei sollen Begriffe wie „Helden“ oder „Opfer“ anhand ihrer visuellen und sprachlichen Repräsentationen und thematischen Verknüpfungen in ihrer zeitspezifischen Form definiert und historisiert werden. „Helden“ der Nachkriegszeit sind letztlich mit NS-„Heldentum“ nicht gleichzusetzen und daher nicht mehr Teil der Untersuchung. Die Dissertation bringt also Heldenforschung, Fotogeschichte und Zeitgeschichte des Zweiten Weltkriegs zusammen, wenn sie untersucht, welche mythischen Heldenerzählungen dokumentarische Fotografien in Zeitschriften den BetrachterInnen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Deutschland anboten. Drei Zeitschriften, „Die junge Dame“, die „Berliner Illustrierte Zeitung“ sowie „Die Wehrmacht“ werden mit Hilfe einer eigens erstellten Datenbank systematisch erfasst und in Anlehnung an die von Silke Betscher vorgestellte Methode der visuellen Diskursanalyse untersucht. Deren Ergebnisse bieten dann die Grundlage, um exemplarisch für größere Bildgruppen einzelne Fotografien auszuwählen, diese in ihre synchronen wie auch diachronen Kontexte zu setzen und ihre ästhetischen Besonderheiten herauszuarbeiten.
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