https://www.academia.edu/71914367/Preisschriften_als_Zeitdiagnosen_im_Exil_K%C3%A4the_Vordtriede_Anna_Siemsen_K%C3%A4te_Frankenthal_In_Beitr%C3%A4ge_zur_Geschichte_des_Nationalsozialismus_36_2020_Hg_v_Franka_Maubach_Markus_Roth_u_R%C3%BCdiger_Hachtmann_G%C3%B6ttingen_Wallstein_S_63_84?nav_from=98bfff22-e2b2-4069-9e44-9c82d02e99c4
1939 richtete sich ein Aufruf der Harvard-Universität »an alle, die Deutschland vor und nach Hitler gut kennen«. Überwiegend Exilantinnen und Exilanten in den USA beteiligten sich an dieser Ausschreibung und berichteten über das eigene »Leben in Deutschland vor und nach dem 30. Januar 1933«. Initiiert wurde der Wettbewerb von dem Soziologen Edward Y. Hartshorne, dem Historiker Sidney B. Fay und dem Psychologen Gordon W. Allport. Das Harvard-Preisausschreiben, das laut Ausschreibungstext als »rein wissenschaftliche Materialsammlung« 1 angelegt war, brachte so zahlreiche, überwiegend deutschsprachige Zeitdiagnosen hervor. Die Sammlung verzeichnet 263 Manuskripte von überwiegend jüdischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. 2 Darunter befindet sich ein von der Geschichts-und Literaturwissenschaft kaum erforschter Bestand von Gesellschaftsbeschreibungen, die beinahe alle in zeitlicher Nähe zur Vertreibung aus dem nationalsozialistischen Deutschland entstanden sind. Als »Vorbild« 3 für den Wettbewerb diente das 1934 unter der Leitung des Soziologieprofessors Theodore Abel durchgeführte Preisausschreiben der Columbia University. Dessen Ziel hatte darin bestanden, die »beste persönliche Lebensgeschichte eines Anhängers der NS-Bewegung« zu finden. Mehr als 600 Autobiographien aus Deutschland waren eingereicht und als Buchfassung mit dem Titel Why Hitler Came Into Power (1938) veröffentlicht worden. 4 1939 sahen sich hingegen hauptsächlich in 1 Faksimile des Ausschreibungstextes in Detlef Garz / Sandra Tiefel / Fritz Schütze, »An alle, die Deutschland vor und während Hitler gut kennen«. Autobiographische Beiträge deutscher Emigranten zum wissenschaftlichen
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